Khan

"Es sind so viele nette Kollegen. Sie sind jetzt wie Brüder - besser."

32 Jahre, Breitungen

Das LAT-Projekt InRegio als erste Anlaufstelle

Khan lebt seit Anfang 2024 in Deutschland. Sein Weg aus Afghanistan führte ihn von Frankfurt am Main und Gießen über die Erstaufnahmeeinrichtung in Suhl nach Schmalkalden. Da Khan keinen Zugang zum Integrationskurs erhielt, war es für ihn zu Beginn nicht leicht. „Ich saß nur zu Hause, konnte kein Deutsch, hatte keine Arbeit“, sagt Khan. Dann erfuhr er in der Gemeinschaftsunterkunft vom LAT-Projekt InRegio und, dass die ihm helfen würden. Mit der Unterstützung der Projektmitarbeiter und der Zusammenarbeit innerhalb des Trägers IFBW , bekam er dann Stück für Stück mehr Orientierung. Neben den Grundlagen in Deutsch gab es zusätzlich Werkstatt-Stunden und auch Exkursionen gehören zum Projektalltag von InRegio. „Wir waren überall in Schmalkalden; beim Jobcenter, bei der Krankenkasse, im Verein“, erinnert sich der 32jährige. Die Projektmitarbeiter*innen hat Khan bereits in sein Herz geschlossen: „Sie helfen mir so viel. Ich habe nur Dank!“

Ankommen im Arbeitsalltag ohne Integrationskurs – kann das gelingen?

Da er noch immer keine Berechtigung für den Integrationskurs erhielt, wollte Khan unbedingt arbeiten. InRegio organisierte eine Werksbesichtigung bei der Firma WIEGEL Trusetal Feuerverzinken GmbH und kurz darauf konnte Khan ein Praktikum machen. „Es ist sehr schwere Arbeit. Mein Kollege fährt den Stapler und ich mache die großen Teile fest. Aber ich war in Afghanistan auf dem Bau, das war auch schwer. Es ist besser hier, aber sehr anders.“

Als Khan seinen Arbeitsvertrag erhielt, war er gerade einmal drei Monate im Projekt InRegio gewesen. Die Arbeit bei der Firma WIEGEL bringt ihm viel Freude, besonders wegen des angenehmen Arbeitsklimas und der netten Kollegen. „Die sind alle freundlich. Es sind so viele nette Kollegen. Sie sind jetzt wie Brüder - besser“, lacht Khan.

Mit seiner Chefin versteht er sich auch und sie war es, die 2026 doch noch einmal an das InRegio-Projekt herantrat, damit Khan seine Sprache verbessern kann. Über eine Verpflichtung zum Integrationskurs durch die Ausländerbehörde war der Weg endlich geebnet, richtig Deutsch zu lernen.

Auch mit dem Integrationskurs wird es nicht einfacher

Vier Tage die Woche ist Khan nun im Integrationskurs und einen Tag in der Firma. Den Kurs neben der Arbeit zu machen, ist für ihn auch kein Problem. Mittlerweile hat er auch eine Wohnung in Breitungen. Zu Beginn des Kurses wollte Khan noch die Nachmittagsschicht bei WIEGEL übernehmen, doch die Situation um den Öffentlichen Nahverkehr ließ das nicht zu. „Der Bus fährt nicht oft und braucht sehr lange. Freitags fahre ich mit dem Fahrrad zur Arbeit“, erzählt Khan und meint damit eine Strecke von immerhin acht Kilometern. „Von der Firma konnte ich ein E-Bike kaufen, das geht.“

Ab Oktober, wenn der Kurs zu Ende ist, wird er die Strecke auch wieder jeden Tag fahren. Die nächsten Schritte hat Khan schon fest im Blick: „Wenn der Deutschkurs fertig ist, kommt der Test Leben in Deutschland und dann wieder Arbeit.“ Später könnte er vielleicht noch den Gabelstaplerschein machen, damit er auch andere Aufgaben bei der Firma WIEGEL übernehmen kann.

Khan fühlt sich in Thüringen wohl, doch seine familiäre Situation setzt im sehr zu. In Deutschland ist nur sein Cousin aus seiner Familie da, der auch mit ihm bei der Firma WIEGEL arbeitet. Doch seine Frau ist noch in Afghanistan. Khans größter Wunsch ist, dass er sie bald nach Deutschland holen kann. „Meine Frau in Afghanistan hat viel Stress und ich kann nicht helfen. Ich bin nicht da.“

HrKhan.jpg

Gespräch mit dem LAT-Projekt InRegio (Sina Diller und Timo Ullrich von Interessengemeinschaft zur Förderung der beruflichen Weiterbildung e.V.)

Khan kam im April 2024 wie die meisten Teilnehmer*innen zum Träger Interessengemeinschaft zur Förderung der beruflichen Weiterbildung e. V.. „Die Ratsuchenden stehen dann in der Tür mit ihren Freunden und wollen eine Arbeit finden“, sagt die Vereinsvorsitzende Sina Diller.

Im Erstgespräch wird dann zunächst geschaut, wie der Träger unterstützen kann, welche Wünsche die Person hat und welches Projekt das Passende ist. Für Khan war es das LAT-Projekt InRegio – Integration in der Region, bei dem der Projektmitarbeiter Timo Ullrich dann die berufliche Orientierung und die Kompetenzfeststellung übernimmt. Außerdem schaut er, welche beruflichen Erfahrungen vorliegen und worauf man aufbauen kann. „In Afghanistan gibt es ja keine klassische Ausbildung, sondern man arbeitet einfach mit und lernt `on the job`. So hatte sich auch Khan in der Baubranche verschiedene Fähigkeiten angeeignet. Da konnten wir natürlich auch rückschließen, dass körperlich anstrengende Arbeit ihm keine Schwierigkeiten bereitet“, so Timo Ullrich.

Das Projekt hatte versucht über die Ausländerbehörde eine Verpflichtung zum Integrationskurs zu bekommen – zu dem Zeitpunkt die einzige Möglichkeit für den jungen Afghanen einen Zugang zum Kurs zu erhalten. Aber nach einer Werksbesichtigung und dem Praktikum Ende Juni 2024 bei der Firma WIEGEL ging alles ganz schnell. „Als die Verpflichtung zum Integrationskurs endlich von der Ausländerbehörde vorlag, hatte Khan bereits zum 01.08. 2024 seinen Arbeitsvertrag“, so Sina Diller.

Zu Beginn hatte Khan noch eine Aufenthaltsgestattung, die immer nach einem halben Jahr verlängert werden musste. Deshalb hatte die Firma WIEGEL auch den Arbeitsvertrag jeweils nur für diesen Zeitraum verlängert. „Das war für Khan natürlich mit vielen Unsicherheiten verbunden und dann noch die zusätzlichen Fahrten, da er ja immer nach Meiningen musste, um die Gestattung zu verlängern“, so Sina Diller.

„Mit der Ausländerbehörde sei die Zusammenarbeit aber insgesamt sehr gut. Die Ansprechpartner sind immer telefonisch erreichbar und bemüht, gute Lösungen für die Teilnehmer des Projekts zu finden.“

Seit dem 05.August 2025 ist Khan nun im Zweitschriftlernerkurs angebunden, nachdem die Firma WIEGEL auf das Projekt zugetreten ist, um Khan bei seinen sprachlichen Defiziten zu unterstützen. Über die Projektmitarbeiter InRegio konnte hier schnell ein passendes Kursangebot gefunden werden.

Unterstützung, die über Arbeit und Sprachkurse hinausgeht

„Für die Teilnehmer sind wir, verständlicherweise auch bei vielen anderen Alltagsproblemen immer die ersten Ansprechpartner. Dann schauen wir schon, wo wir unterstützen können. Das können wir an vielen Stellen natürlich auch nicht allein, aber wir vermitteln und sind ja in die ganzen Prozesse eingebunden“, so Timo Ullrich.

Für den Fall von Khan hatten wir als Thüringer Fachstelle Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung verschiedene Kontakte an InRegio zugearbeitet, um die Familienzusammenführung zu unterstützen. Ein erstes Treffen mit dem DRK Landesverband fand bereits statt, und alle Beteiligten hoffen, dass da jetzt etwas vorangeht.

InRegio.jpg

Mit InRegio kommt die Firma WIEGEL Trusetal GmbH zu neuen Mitarbeitern

Die Firma WIEGEL Trusetal Feuerverzinken GmbH erklärte sich direkt bereit, eine Werksbegehung und daran anschließend mögliche Praktika für Teilnehmer*innen des LAT-Projekts InRegio zu ermöglichen. „Khan war direkt an allem interessiert, wollte wissen, wie die Abläufe sind und wie so eine Feuerzinkerei funktioniert. Da wussten wir, dass es mit ihm passen könnte. Neben Khan haben wir noch zwei weitere Personen aus dieser Gruppe eingestellt“, erinnert sich die kaufmännische Leiterin Frau K.

Bei seinem Praktikum im Jahr 2024 habe Khan das ganze Team von WIEGEL Trusetal von sich überzeugt. Es folgte schnell die Einstellung und Khan wurde über sechs Monate in sein künftiges Arbeitsfeld eingelernt. Khan war sehr engagiert und bekam tatkräftige Unterstützung von seinen Kolleg*innen, zu denen er mit seiner freundlichen und offenen Art schnell eine wertschätzende Beziehung hatte. „Manchmal machen wir kleine Teamevents und holen den Rost für Bratwürste raus. Für die zwei muslimischen Kollegen gibt es Hühnchen. Bei den Zusammenkünften ist Khan auch immer auf die Kollegen zugegangen und hat versucht mit Händen und Füßen und dem Handy in die Kommunikation zu treten.“

„Die Kollegen haben ihm die Dinge so oft erklärt, bis sie eben saßen. Sie haben auch kleine Vokalbellektionen für die wichtigsten Fachbegriffe gegeben“, so Frau K. weiter. Der Beruf als Aufrüster in einer Feuerverzinkerei ist nicht nur körperlich sehr anstrengend, sondern auch eine verantwortungsvolle Aufgabe. Aufrüster rüsten Stahlträger mit Drähten an Traversen an und die gehen dann durch verschiedene Vorbehandlunsgsbäder, bis sie ins Zinkbad getaucht werden.

Wenn Teile falsch aufgehangen werden oder die Löcher nicht richtig gebohrt wurden, kann das zu schweren Unfällen führen.

Mit betrieblicher Unterstützung zum Sprachkurs

Dennoch fiel es Khan schwer, sein Deutsch zu verbessern. Die Firma WIEGEL wandte sich also erneut an das LAT-Projekt InRegio mit der Frage, wie man Khan unterstützen könnte. Behalten wolle man ihn auf jeden Fall.

InRegio hatte zum Glück noch einen freien Platz im Integrationskurs, sodass Khan direkt einsteigen konnte. Da der Kurs an vier Tagen die Woche vormittags stattfindet, versuchte die Firma ihm trotzdem die Weiterarbeit zu ermöglichen.

„In der Hauptsaison haben wir zwei Schichten an der Anlage, da haben wir versucht ihn immer in die zweite Schicht einzuteilen, damit er früh die Schule besuchen kann und dann in der zweiten Schicht arbeiten kann“, so Frau K..

Da Trusetal nur sehr schlecht mit dem Bus erreichbar ist, stellte die Firma jedoch sehr schnell fest, dass es für Khan nicht zumutbar ist, wegen ein bis zwei Stunden zur zweiten Schicht zu kommen. „Dann haben wir ihn für die 4 Tage für die Schule freigestellt und haben ihm gesagt, er soll sich da jetzt voll konzentrieren. Freitags ist er aber weiterhin bei uns in der Firma und da merken auch die Kollegen gerade schon die Fortschritte, die er macht.“

Für WIEGEL Trusetal ist das Projekt InRegio eine willkommene Unterstützung. Die Erreichbarkeit bei Fragen und Problemen sei immer gewährleistet und ermögliche es dem Unternehmen, ihre neuen Mitarbeiter zu halten und zu fördern.

Abschließend sagt Frau K.: „Mein Wunsch ist, dass Menschen, die sich wie Khan so gut integrieren, eine Chance gegeben wird auch wenn vielleicht die Sprache noch nicht perfekt ist.“

Weitere Praxisbeispiele ansehen